Adam-Mickiewicz-Preis

für Versöhnung und Zusammenarbeit in Europa 2009

verliehen

(v.l.n.r.): Klaus-Heinrich Standke mit den Preisempfängern H.C. von Moltke, Stéphane Hessel und Zdzisław Najder (Foto: Sophia Springer)



Pressemitteilung der Stadt Weimar, 31.8.2009:

In einem Festakt im Weimarer Fürstenhaus wurde am 29. August 2009 durch die Stadt Weimar und das Komitee zur Förderung der deutsch-französisch-polnischen Zusammenarbeit e.V. ('Weimarer Dreieck') an Stéphane Hessel, Dr. Freya Gräfin von Moltke und Dr. Zdzisław Najder der Adam-Mickiewicz-Preis 2009 verliehen. Der Adam-Mickiewicz-Preis für Versöhnung und Zusammenarbeit in Europa geht damit an drei Persönlichkeiten aus Deutschland, Frankreich und Polen, die es in den Worten des Präsidenten des Komitees "in vorbildlicher Weise verstanden haben, ihr persönliches Schicksal als Opfer von Unrechtsdiktaturen in eine treibende Kraft für die Verteidigung von Menschenwürde und Menschenrechten und der friedlichen Zusammenarbeit zwischen den Völkern einzusetzen..."

In ihrer Laudatio betonte die ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages, Rita Süssmuth "Widerstand und Überleben" sei das Motto der diesjährigen vierten Verleihung des Adam-Mickiewicz-Preises: Alle drei Preisträger seien Widerstandskämpfer gewesen, "und allen drei Preisträgern wurde ihr Engagement und ihr Kampf gegen Terror, Verbrechen und Unrecht beinahe zum Verhängnis." Der Präsident des Komitees "Weimarer Dreieck", Klaus-Heinrich Standke, unterstrich: "Alle drei Preisträger haben ihre Aufgabe darin gesehen, das 'Gelebte Wissen' ihres Lebens zu nutzen, um Brücken zu schlagen zwischen gestern und heute, zwischen den Generationen und den Völkern."

Gerade im Jahr der Demokratie mit seinen vielfältigen Erinnerungen an 1919, 1939 oder 1989, so erklärte Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf, bedürfe es Menschen "wie unsere drei diesjährigen Preisträger die Fähigkeit und den Mut haben, nationale Interessen und bilaterale Beziehungen in einem weiteren Zusammenhang zu denken - mit einem geschichtlichem Verständnis für die Zukunft". Grußadressen im Namen des Freistaates Thüringen sowie im Namen der Regierungen der drei Länder überbrachten Staatssekretär Hermann Binkert, Erfurt sowie die Gesandten der polnischen und der französischen Botschaft in Berlin, Wojciech Pomianowski und Graham Paul. Für den designierten Vertreter des Auswärtigen Amtes, Claus Robert Krumrei, Leiter des Referats für Mitteleuropa, der sich wegen eines Todesfalls kurzfristig entschuldigen mußte, war der Referent im Auswärtigen Amt Johann Baar anwesend.

Zu den Preisträgern im Einzelnen:

Stéphane Hessel, Ambassadeur de France, Mitglied des Kuratoriums des Komitees für Förderung der deutsch-französisch-polnischen Zusammenarbeit e.V., ('Weimarer Dreieck'), in Berlin geborener französischer Widerstandskämpfer, 1941 Mitarbeit in der französischen Exilregierung von General de Gaulle in London, 1944-1945 Häftling in Buchenwald und Dora, 1948 als Mitglied des UNO-Sekretariats an der Vorbereitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen beteiligt, Diplomat in Afrika, in Asien und bei der UNO. Träger des UNESCO-Preises für die Förderung der Kultur der Menschenrechte 2008, Träger des Eugen-Kogon-Preises für gelebte Demokratie 2009, Kommandeur der französischen Ehrenlegion.

Dr. Freya Gräfin von Moltke, Ehrenvorsitzende der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, Widerstandskämpferin, Schriftstellerin, Witwe von Helmuth James Graf von Moltke, der am 23.1.1945 als Mitglied des Kreisauer Kreises in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Gräfin Moltke sah ihre Lebensaufgabe darin, durch eine Vielzahl von Vorträgen und Veröffentlichungen an den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu erinnern. Diese Erinnerungsarbeit war in Deutschland nötig, denn der Widerstand wurde erst langsam positiv gewürdigt, und lange noch galten die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 als Vaterlandsverräter. Als sich von 1989 an Menschen zusammenfanden, um das im nunmehr polnischen Schlesien gelegene ehemalige Familiengut Kreisau zu sanieren und in eine europäische Begegnungsstätte umzuwandeln, in der auch Veranstaltungen zum 'Weimarer Dreieck' stattfanden, hat sie das Projekt tatkräftig begleitet. Drei Tage nach dem Fall der Mauer, am 12.11.1989, fand in Kreisau die sog. 'Versöhnungsmesse' statt, an der Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und Bundeskanzler Helmut Kohl teilnahmen.

Dr. Zdzisław Najder, Professor der Literaturwissenschaften, 1976 Begründer im Untergrund der Liga für die nationale Unabhängigkeit Polens, Berater der Solidarnośċ-Gewerkschaftsbewegung, Direktor des polnischen Dienstes von Radio Freies Europa; im Mai 1983 Verurteilung durch ein polnisches Militärgericht in Abwesenheit zum Tode; Aberkennung der polnischen Staatsangehörigkeit; 1990-1992 Vorsitzender des Nationalen Bürgerkomitees Polens; 1990-1992 Mitglied des Beratungsstabes des Staatspräsidenten Lech Walesa; 1991 Vorsitzender des Beratungsausschusses des Ministerpräsidenten; Präsident der Joseph-Conrad-Gesellschaft (Polen); 2004: Gründungspräsident des "Weimar-Klubs", Warschau; Kommandeur des Nationalen Verdienstordens Frankreichs, Träger des Ritterkreuzes der französischen Ehrenlegion.

Zum Hintergrund:

Anlässlich des 15. Jahrestages der Gründung des Weimarer Dreiecks am 29. August 2006 hat das Komitee zur Förderung der deutsch-französisch-polnischen Zusammenarbeit e.V. ('Weimarer Dreieck') den nach dem polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz benannten Preis für Versöhnung und Zusammenarbeit in Europa geschaffen.

Die ersten Preisträger waren die Gründungsväter des Weimarer Dreiecks, die früheren Außenminister Roland Dumas, Hans-Dietrich Genscher und Krzysztof Skubiszewski. Die Laudatio hielt Außenminister a.D. Bronislaw Geremek, MdEP

Der Preis wird alljährlich gemeinsam vom Oberbürgermeister der Stadt Weimar, Stefan Wolf, und vom Präsidenten des Komitees 'Weimarer Dreieck', Prof. Dr. Drs. h.c. Klaus-Heinrich Standke, Beigeordneter Generaldirektor der UNESCO a.D., Berlin/Cabourg, verliehen.

Im Anschluss fand wie in den Vorjahren in der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte im Reithaus im Schlosspark Weimar unter Leitung von Prof. Dr. Henri Ménudier, Vizepräsident des Komitees, Paris, ein Generationengespräch zwischen den drei Preisträgern, der Laudatorin Prof. Dr. Drs.h.c. Rita Süssmuth und Jugendlichen aus Frankreich, Polen und Deutschland statt.





Grußadresse Wolf Kischlat, Bundespräsidialamt



Pressebericht Polskie Radio
Video zur Verleihung der Goethe-Medaille-2009 und des Adam-Mieckiewicz-Preises 2009