Einführung aus Sicht des Komitees zur Förderung der Deutsch- Französisch- Polnischen Zusammenarbeit

Das Komitee zur Förderung der Deutsch-Französisch-Polnischen Zusammenarbeit e.V. (?Weimarer Dreieck') ist durch Beschluß seiner Mitgliederversammlung am 6.5.2002, d.h. bereits zwei Jahre vor  dem offiziellen Beitritt Polens in die EU, aus dem im Jahr 1973 in Paris auf Initiative von Professor Norbert Sadler gegründeten bilateralen Komitee zur Förderung des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages hervorgegangen.

Das Komitee steht unter der Schirmherrschaft der drei ?Gründungsväter' des Weimarer Dreiecks, der damaligen Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens, Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas und Krzystof Skubiszewski, welche am 28. August 1991 in Weimar die auf Dauer angelegte vertiefte Zusammenarbeit der drei Länder vereinbart haben.

Das trilaterale Präsidium besteht aus dem Gründungspräsidenten Klaus-Heinrich Standke (Berlin), ehem. Beigeordneter Generaldirektor der UNESCO, sowie aus den Vizepräsidenten Henri Ménudier (Paris), Vizepräsident, Fédération des Associations Franco-Allemandes pour l'Europe (FAFA), und Zdzislaw Najder (Warschau), Präsident, Klub Weimarski.

Von rechts nach links: Die drei Schirmherren des Komitees zur Förderung der deutsch-französisch-polnischen Zusammenarbeit e.V. ‚Weimarer Dreieck', Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas und Krzystof Skubiszewski sowie der Präsident des Komitees, Klaus-Heinrich Standke, am 12. September 2003 im Schloß Genshagen.

Bereits am 26. Oktober 1995 wurde in Paris auf Initiative des damaligen Botschaftsrates an der deutschen Botschaft in Paris, Guy Féaux de la Croix, ein Verein zur Förderung des "Triangle de Weimar" als ‚Association sans but lucratif' ins Leben gerufen.

In Warschau wurde im Jahr 2003 der "Klub Weimarski" gegründet.

Nach dem offiziellen Beitritt Polens zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 hat die Zusammenarbeit im Rahmen des Weimarer Dreiecks eine neue Qualität erlangt. Waren es bisher nahezu ausschließlich trilaterale Kontakte auf Regierungsebene, welche die Kooperation der drei Länder im Rahmen des größer gewordenen Europas bestimmten, so werden diese zunehmend durch Verbindungen auf zivilgesellschaftlicher Ebene ergänzt werden.

Das Komitee sieht seine Aufgabe darin, wie mehrfach bei den Weimarer Gipfelgesprächen artikuliert und wie in der nachstehenden Hintergrundnotiz des Auswärtigen Amtes ausgeführt, in Ergänzung zu den Konsultationen auf Regierungsebene einen Beitrag zu leisten zur Schaffung "einer größeren Bürgernähe auf allen Ebenen und in der ganzen Breite des Lebens".

Zur Erfüllung dieses Zieles führt das Komitee auf ehrenamtlicher Basis im Sinne des ‚Weimarer Geistes' trilaterale Veranstaltungen durch zu Aspekten der wissenschaftlich-technischen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zusammenarbeit. Die Ergebnisse dieser Konferenzen werden veröffentlicht. Die Mitglieder des Komitees sind sich dessen bewusst, dass es sich bei ihrer Aufgabe nicht lediglich um eine Erweiterung der in Jahrzehnten aufgebauten engen deutsch-französischen Beziehungen handelt. Die andere geschichtliche Entwicklung erfordert für das deutsch-polnische, aber auch, wie sich jüngst gezeigt hat, für das französisch-polnische Verhältnis einen besonders pfleglichen Umgang. Auch die Sprachbarrieren zwischen Polen einerseits und Deutschland und Frankreich andererseits sind wesentlich höher als dies zwischen Deutschen und Franzosen der Fall ist. Schätzungsweise lernen 1,6 Millionen deutsche Schüler Französisch und 1,4 Millionen französische Schüler die deutsche Sprache. Während rund 2,0 Millionen junge Polen und Polinnen Deutsch lernen, sind es nur 4.000 Schüler in Deutschland, welche Polnisch lernen.

Das Komitee kann aus eigener Kraft nicht die ganze Bandbreite der notwendigen trilateralen Initiativen auf den Gebieten der Wirtschaft, der Wissenschaft und Kultur, der gesellschaftlichen Gruppierungen u.a.m. abdecken. Es bietet sich als gemeinsame überparteiliche Plattform für Begegnungen und für gezielte Aktionen für Teilnehmer aus den drei Ländern an.

Das meiste in der innereuropäischen Zusammenarbeit der Länder geschieht bilateral, und dies ist zu begrüßen. Auf vielen Gebieten bietet sich eine trilaterale Behandlung von Themen gemeinsamen Interesses an.

Da das Komitee keine finanzielle Unterstützung erfährt, ist es auf das ehrenamtliche Engagement all derer angewiesen, denen diese trilaterale Zusammenarbeit am Herzen liegt. In aller Regel ist das Komitee partnerschaftlich mit anderen tätig, welche sich zu einem temporären Zweckbündnis zur Erzielung eines bestimmten Zweckes, wie einer Veranstaltung, eines Forschungsprojektes oder zur Schaffung eines bestimmten Netzwerkes zusammenfinden möchten.

Das Komitee wird weiterhin - wie schon in der kurzen Zeit seines Bestehens demonstriert - Initiativen lancieren zu Themen, die sich prioritär für eine Zusammenarbeit anbieten. Insbesondere sieht das Komitee seine Aufgabe auch darin, eine Art von ‚institutionellem Gedächtnis' oder Repositorium zu sein, um alle ihm zur Kenntnis gekommenen Initiativen und Veröffentlichungen zu sammeln. Das Komitee bemüht sich daher, eine Sammlung aller ihm zur Kenntnis gebrachten wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf dem letzten Stand zu halten und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Da das ‚Weimarer Dreieck' keine Organisation mit eigenem Sekretariat ist, sondern letztlich nur ein informeller Konsultationsmechanismus, ist die systematische Zusammenführung aller verfügbaren Informationen zu den Themen, welche die Phantasie in vielen Gruppierungen der Bevölkerung in Deutschland, Frankreich und Polen anregen, von besonderer Bedeutung.

Hieraus können sich durch ‚best practise'-Erfahrungen aus allen Gebieten vielfältige Anregungen für eine vertiefte Zusammenarbeit der drei Völker ergeben. Geht man von dem detaillierten Katalog aller Institutionen aus, die sich seit dem Abschluß der Élysée-Verträge am 22. Januar 1963 in Deutschland und in Frankreich mit der bilateralen Zusammenarbeit beschäftigen (www.amb-allemagne.fr/relationsfra/institutions/index/indesx.html), so ist die Meßlatte sehr hoch gelegt, um Ähnliches auch im jeweils bilateralen Verhältnis mit Polen zu erreichen. Parallel hierzu kann auf vielen Gebieten das bewährte deutsch-französische Sonderverhältnis auch auf Polen ausgedehnt werden. Idealerweise müsste erreicht werden können, dass die drei Länder gemeinsam eine gewichtige Rolle als Antriebs- und Zugkraft der erweiterten Europäischen Union spielen können.

Das Komitee sieht eine seiner Aufgaben darin, durch ergänzende wissenschaftliche Symposien die Weimarer Gipfelgespräche öffentlichkeitswirksam zu unterstützen. Das Komitee unterstützt ferner im Rahmen seiner Möglichkeiten die partnerschaftliche Behandlung ihm als prioritär erscheinender ausgewählter Themen, wie z.B. die trilaterale Zusammenarbeit in der Innovationspolitik, in der Energieforschung, bei der Hochschulpolitik, bei der Mobilität der Forscher, bei der regionalen Kooperation sowie bei Städtepartnerschaften. Mit anderen Worten: Dem Komitee ist daran gelegen, nach besten Kräften gemeinsam mit seinen Partnern in Frankreich und in Polen die Umsetzung derjenigen Ideen zu unterstützen, die der engeren zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit der drei Länder dienen.

Klaus-Heinrich Standke