Der "Weimarer Gipfel" von Mettlach am 5. Dezember 2006

??Wir sind überzeugt, dass wir heute ebenso wie in den vergangenen 15 Jahren im Rahmen des Weimarer Dreiecks zusammenarbeiten müssen, um Europa zu stärken und den europäischen Gedanken mit neuem Leben zu erfüllen.?

Jacques Chirac, Lech Kaczynski, Angela Merkel

Quelle: Gemeinsame Erklärung zum 7. Weimarer Gipfel

Photo: K.-H. Standke

Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel fand am 5. Dezember 2006 in Mettlach/Saar unter Beteiligung des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und des polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski das 7. sog. ?Weimarer Gipfeltreffen? statt. Nach deutscher Zeitrechnung handelte es sich um das 6. Treffen, da es sich bei der ersten Begegnung dieser Art, an der auf Einladung des damaligen polnischen Staatspräsidenten Lech Walesa am 21. September 1993 in Danzig der französischen Staatspräsident François Mitterand und Bundespräsident Richard von Weizsäcker teilnahm, lediglich um ein ?informelles Treffen? gehandelt habe.

Das Gipfeltreffen in Mettlach im Zeichen des Weimarer Dreiecks war von besonderer Art:

  • Das Gespräch sollte ursprünglich am 3. Juli 2006 im Gründungsort Weimar stattfinden als Reverenz vor dem ?genius loci?, in dem vor 15 Jahren von den drei damaligen Außenministern Roland Dumas, Hans-Dietrich Genscher und Krzystof Skubiszewski nur wenige Monate nach der deutschen Wiedervereinigung das Weimarer Dreieck begründet wurde. Unmittelbar vor der  in Weimar geplanten Dreierbegegnung mußte das Treffen wegen einer gesundheitlichen Indisposition des polnischen Staatspräsidenten abgesagt werden. 
  • Für Präsident Jacques Chirac handelte es sich  in Mettlach bereits um seine sechste (und vermutlich letzte) Teilnahme an einem Weimarer Gipfeltreffen. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Kaczynski war es indessen  das erste Dreiergespräch dieser Art. Neben der immer wieder aufs Neue herzustellenden Kontinuität einer losen Einrichtung  sui generis - wie die des  Weimarer Dreiecks - ist   die stimmige ?Chemistry? zwischen den handelnden Spitzenakteuren eine wichtige Voraussetzung für die sinnvolle Weiterführung der unter ganz anderen Auspizien gegründeten besonderen trilateralen Sonderbeziehungen.
  • Schließlich sollte das Treffen in Mettlach ein Gradmesser dafür werden, inwieweit das Weimarer Dreieck mit Polen ? nunmehr als Vollmitglied der EU als Dritten im Bunde - in der Lage ist,  von dem im Verlauf von Jahrzehnten gut aufeinander eingespielten deutsch-französischen Tandem die Rolle eines Motors für die größer gewordene EU zu übernehmen. Auch insofern waren die Erwartungen an das Spitzengespräch in Mettlach größer als an alle vorangegangenen Gipfelgespräche. 

Beigefügt sind die offiziellen gemeinsamen Schlusserklärungen der drei Gipfelteilnehmer sowie die Texte der gemeinsamen Pressekonferenz und ein detailierter Tagungsbericht "15 Jahre Weimarer Dreieck: Ein Rückblick auf das zweite Weimarer Gipfeltreffen in Deutschland, Mettlach, 5. Dezember 2006".
Das nächste Weimarer Gipfelkonferenz soll auf Einladung des polnischen Präsidenten voraussichtlich im Jahre 2008 in Polen stattfinden.